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Chronik des Vereins
 

Die Gründung des Veteranen- und Kriegervereins

 

 

Die ersten Kriegervereine in unserer Gegend wurden unmittelbar nach dem Krieg gegen die Preußen 1866 und dem Krieg gegen Frankreich 1870/71 gegründet. Sinn und Zweck dieser Solidargemeinschaften der Kriegsheimkehrer war es den gefallenen Kameraden zu gedenken, so wie Kriegerwitwen und Kriegsbeschädigte zu unterstützen.

Das älteste Schriftstück über Veteranen in Irnsing ist ein Namensverzeichnis von 34 Kriegsteilnehmern der Feldzüge 1866 und 1870/71 "Gewidmet zum Jubiläum 1895 der Veteranen der Expositurgemeinde Irnsing". Welches Jubiläum damals gefeiert wurde ist nicht bekannt.

Der heutige Krieger- und Kameradenverein Irnsing/Pirkenbrunn wurde lt. dem noch vorhandenen "Kurrent-Kassa-Tagebuch über die Einnahmen und Ausgaben des Veteranen- und Kriegervereins Irnsing" am 19. Januar 1896 gegründet. Dem Verein traten sofort 44 Mitglieder aus Irnsing und Pirkenbrunn bei.

  Datum Eintrag Einnahme/Ausgabe
 19.01.1896 an Mitgliedsbeiträgen 44 Mitglieder 22,00   Mark
 19.01.1896 Für Musik beim Gründungsfeste 10,00   Mark
 19.01.1896 Dem max Umenhof für Pulver  4,10   Mark
 19.01.1896 An J. Halbritter für Rahmen und den Gedenkstein für Veteranen  8,00   Mark
 19.01.1896 Für die Bander zu Festzeichen  2,60   Mark
 19.01.1896 Dem Vereinsdiener Geisberger für öfters Einsagen bei Versammlungen  1,00   Mark  
 19.01.1896 Dem Hochw. herrn Expos. Kohn für die Abhaltung des Gottesdienstes  3,30   mark
     

 

 Die erste Vorstandschaft des Kriegervereins Irnsing setzte sich zusammen aus dem

   Vorsitzenden Franz Zangl

 

   Kassier Mich. Liedl

   Vereinsdiener Joh. Geisberger

   Kanonier Georg Braun


Seit dieser Zeit erweist der Verein allen Verstorbenen Mitgliedern die letzte Ehre bei Beerdigungen mit einer Fahnenabordnung und einen Böllerschuß. Bereits wenige Wochen nach der Gründung mußte der noch junge Verein am 25. März 1896 dem Mitglied Johann Beck das letzte Geleit geben.

Noch im selben Jahre, am 23. August 1896, veranstaltete der Veteranen- und Kriegerverein Irnsing eine Fahnenweihe. Die neue Fahne wurde nach längeren Verhandlungen bei der Bonner Fahnenfabrik in Bonn am Rhein vom Guts- und Brauereibesitzer Xaver Steindl bestellt. Bezahlt wurde die Fahne in drei Raten zu zweimal 100 Mark und einmal 50 Mark.

 

In den folgenden Jahren wurde jeweils Ende August ein Jahrtagsfest mit Gedenkgottesdienst und Tanz abgehalten.

 

Das älteste Protokoll einer Jahreshauptversammlung ist aus dem Jahre 1899 und hat folgenden Wortlaut:

 

  "Heute den 29. Jänner erschienen im Steindlischen Brauhause die Mitglieder des Veteranen- und Kriegervereins Irnsing um nach dreijährigen Bestehen des Vereins die statutengemäße Wahl eines Ausschußes vorzunehmen.

 Gewählt wurden als 1. Vorstand: Zangl Franz; 2. Vorstand: Resch Johann; als Junker Steindl Angelin. In den Ausschuß wurden gewählt: Buchner Joh., Baier Andr., Süßbauer Jos..

Als Ehrenmitglieder wurden aufgenommen in den Verein: H.H. Expositus Sämmer Joh. und Necker Jos. Ökonom in Irnsing. Als neues Mitglied wurde aufgenommen Heinrich Götz.

Ferner wurde beschossen, daß jedes neu aufzunehmende Mitglied 1 Mark Aufnahmsgebühr und 60 Pfennige für das Vereinszeichen zu entrichten hat.

 L. U:

  Franz Zangl Vorstand

  Johann Resch

  Liedl Michael Schrüftführer

  Steindl

  Buchner

  Andreas Salzl

 Joseph Gabelberger"

 

Auch in anderen Ortschaften wurden in dieser Zeit Soldatenvereine gegründet und Fahnenweihen abgehalten. So beteiligte sich der Veteranen- und Kriegerverein Irnsing am 16. Juli 1899 an der Fahnenweihe in Train.

Am 22. Oktober 1899 trat der Veteranen- und Kriegerverein Irnsing dem Bayer. Landespräsidium, gegen eine Aufnahmegebühr von 10 Mark und einem Jahresbeitrag von 5 Mark, bei.

Seine erste Christbaumversteigerung hielt der Verein am 20. Januar 1900, wobei ein Betrag von 58,35 Mark eingenommen wurde. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 9. Dezember 1900 beschlossen die Mitglieder künftig die Christbaumversteigerung gemeinsam mit der Feuerwehr abzuhalten und den Reinerlös zu halbieren.

Gleichzeitig wurde beschlossen dem vollständig erblindeten Wegmacher Joseph Hasl eine Unterstützung von 10 Mark zukommen zu lassen. Den gleichen Betrag erhielt Hasl vom Landesverein. Diese Unterstützung bekam Joseph Hasl jährlich. In späteren Jahren wurden noch weitere bedürftige Mitglieder aus der Vereinskasse unterstützt.

Am 15. September 1901 beteiligten sich die Krieger und Veteranen an der Einweihung der Lourdesgrotte unter der Michaelskapelle.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 2. Februar 1902 wurde turnusgemäß wieder eine neue Vorstandschaft gewählt:

 1. Vorsitzender Joh. Bauer

 2. Vorsitzender Joh. Resch

 Kassier Mich. Liedl

 Schriftführer A. Steindl

 Junker Jos. Süßbauer

Bei der Fahnenweihe des Kriegervereins Bad Gögging im Jahre 1902 hatten die Irnsinger Veteranen die Patenschaft übernommen. Gemeinsam mit der Feuerwehr wurde ab 1904 auch ein Ball abgehalten.

Ein besonderes Erlebnis für alle Besucher dürfte die Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit Prinz Ludwig von Bayern am 5. August 1908 in Eining gewesen sein. An diesem Empfang beteiligten sich auch die Veteranen aus Irnsing.

 

Der 1. Weltkrieg

Mit großer Euphorie begann im August 1914 der leidvolle 1. Weltkrieg. Teilweise noch von den siegreichen Erinnerungen des französischen Krieges von 1870/71 angespornt meldeten sich tausende Bürger freiwillig zum Heer. Mit Parolen wie "Ausflug nach Paris", "Jeder Schuß ein Ruß" und "Jeder Stoß ein Franzos" wurden die Eisenbahnwagen beschriftet mit denen die Soldaten an die Ost- und Westfront transportiert wurden. Bis Weihnachten 1914 dachten viele der ersten Freiwilligen wieder zu Hause zu sein.

Auch viele Irnsinger zogen freiwillig in den Krieg oder wurden eingezogen. Insgesamt 160 Männer aus Irnsing zogen in den leidvollen Krieg, der im November 1918 in einer Katastrophe endete. 30 Gefallene ließen ihr Leben auf dem Felde der Ehre wie es so schön hieß. Sie sind fürs Vaterland gestorben. Für alle diese Kamaraden ließ der Krieger- und Veteranenverein eine Totenmesse lesen. Weitere 43 Kameraden kamen zum Teil schwer verwundet nach Hause.

Gefallene 1914 - 1918

Artinger Martin (Hs.Nr. 50)

Bauer Georg (Hs.Nr. 4)

Beck Joseph (Hs.Nr. 36)

Bauer Ludwig (Hs.Nr. 16)

Braun Michael (Hs.Nr. 71 1/3)

Drescher Albert (Hs.Nr. 71)

Forchhammer Joseph

Frey Michael

Friedrich Ludwig (Hs.Nr. 46)

Gaßner Lorenz (Hs.Nr. 27)

Heckner Michael (Hs.Nr. 24)

Karl Adolf (Hs.Nr. 44)

Karl Johann (Hs.Nr. 5)

Peter Jakob

Resch Michael (Hs.Nr. 33)

Schachtner Anton (Hs.Nr. 25)

Scheuenpflug Eduard (Hs.Nr. 36 1/2)

Schierlinger Simon (Hs.Nr. 32 1/2)

Schiller Franz (Hs.Nr. 1)

Schindlbeck Hans (Hs.Nr. 53)

Schindlbeck Otto (Hs.Nr. 53)

Schlittenbauer Johann (Hs.Nr. 12)

Schlittenbauer Michael

Schmailzl Michael

Schmid Joh. Bpt. (Hs.Nr. 35 1/2)

Süßbauer Joseph (Hs.Nr. 36 1/4)

Süßbauer Michael (Hs.Nr. 36 1/4)

Süßbauer Xaver (Hs.Nr. 29 1/2)

Westermaier Xaver (Hs.Nr. 2)

Wittmann Michael (Hs.Nr. 43)

 

Aber nicht nur Tote und Verwundete hatte Irnsing zu verbuchen, sondern auch sogenannte Helden. Insgesamt wurden 59 Soldaten aus Irnsing für hervorragende Tapferkeit und besonderer Leistungen ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben sei hier der Vizefeldwebel Lorenz Gaßner, der am 20. März 1915 von Seiner Majestät König Ludwig III v. Bayern die "Goldene Tapferkeits-Medaille" erhielt. Die silberne Tapferkeitsmedaille hatte der Leutnant d. R. Johann Schindlbeck bereits am 8. November 1914 erhalten.

Bereits ein Jahr nach Kriegsende konnten die Irnsinger Krieger und Veteranen schon wieder auf eine umfangreiche Vereinsaktivität zurückblicken. Im Jahre 1919 beteiligten sie sich an Fahnenweihen in Forchheim, Laimerstadt, Mindelstetten und Schwaig.

Auch in den folgenden Jahren beteiligte sich der Veteranen- und Kriegerverein Irnsing recht eifrig an Fahnenweihen der ganzen Umgebung, wie z.B. an der Fahnenweihe des Katholischen Burschenvereins Hienheim am 29. Juni 1921.

Aus dem Jahre 1922 ist uns noch eine Satzung des Veteranen- und Kriegervereins Irnsing überliefert. In dieser Satzung sind bereits alle rechtlichen Verhältnisse wie Name, Sitz und Zweck des Vereins; die Mitgliedschaft; usw. wie bei modernen Satzungen geregelt.

Die 2. Fahnenweihe in seiner Geschichte feierte der Krieger- und Veteranenverein Irnsing im Jahre 1923. Leider sind uns über dieses Fest keine weiteren Einzelheiten als die Eintragungen im Kassenbuch bekannt. Gefertigt wurde die neue Fahne von der Fahnen-Fabrikation und Kunst-Stickerei G. Harslem in München.

Interressant dürfte auch sein, daß sich der Kriegerverein 1927 von der Schreinerei Adam Eberl eine Theaterbühne anfertigen ließ und damit in den folgenden Jahren durch Theateraufführungen die Vereinskasse aufbesserte.

Selbstverständlich beteiligten sich die Veteranen auch an der Fahnenweihe des Katholischen Burschenvereins Irnsing am 29. Juni 1929, die noch einigen alten Irnsingern in Erinnerung ist.

Ab 1933 wurden alle Krieger- und Veteranenvereine des Landesverbandes Bayern und des Deutschen Reiches im Reichskriegerbund Kyffhäuser zusammen geschlossen. Noch im selben Jahr erhielten alle Ortsverbände eine "Kyffhäuserflagge" vom Landesverband. Die dazugehörigen Fahnenstiele und die Fahnenspitze in Form eines bayerischen Löwen und einen Hakenkreuzwimpel mußten die Vereine selbst beschaffen.

"Kyffhäuser" ist ein Bergrücken in Thüringen mit den Überresten der ehemaligen Burg Kyffhausen. Auf dem Berg wurde 1896 das Kyffhäuser-Denkmal errichtet. Mit dem Kyffhäuser verbindet sich die Sage, daß in der am Fuße liegenden Höhle der Deutsche Kaiser Friedrich Barbarossa verzaubert schläft. Sein Aufwachen bedeutet die Wiederherstellung der Kaisermacht.

 

Der 2. Weltkrieg

Auf Grund der Kontributionen des verlorenen 1. Weltkrieges, der Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre und der Inflation von 1923, sowie zahlreichen Splitterparteien hatte es die Weimarer Republik äußerst schwer sich politisch zu stabilisieren. Bedingt durch die hohe Arbeitslosigkeit und der Armut in der Bevölkerung hatte die Nationalsozialistische Partei Deutschlands (NSDAP) mit ihren Wahlkampfversprechen "Arbeit und Brot für alle Deutschen" bei der Reichstagswahl im Januar 1933 die meisten Stimmen erreicht.

Mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler nach der Reichstagswahl am 30. Januar 1933 durch den Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg und dem Ermächtigungsgesetz vom 23. März 1933 begann das unheilvolle 3. Reich.

Durch seine anfänglichen Friedensbekenntnisse und zahlreichen Programmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, z.B. den Reichsarbeitsdienst, konnte Hitler vorerst seine Kriegsabsichten offiziell verheimlichen. Doch wenn man heute die Geschichte verfolgt weiß man, daß die Politik Hitlers durch den massiven Bau von Autobahnen und der immensen Investitionen in die Rüstungsindustrie von Anfang an auf Machtausweitung und Krieg ausgerichtet war.

Mit dem Überraschungsangriff auf Polen in der Nacht zum 1. September 1939 begann der leidvolle 2. Weltkrieg, der mit der totalen Kapitulation am 8. Mai 1945 endete. Insgesamt kostete dieser Krieg in Verbindung mit den Massenvernichtungslagern und Zivilopfern weltweit ca. 55 Millionen Menschen das Leben. Allein 3,5 Millionen deutsche Soldaten starben auf den Schlachtfeldern Europas.

Auch zahlreiche junge Irnsinger und Pirkenbrunn wurden im Laufe des Krieges zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, von denen 45 Soldaten gefallen und 20 Kameraden vermißt sind. Siehe hierzu auch nebenstehende Heldengedenktafel.

Gefallene und Vermißte des 2. Weltkrieges aus Irnsing und Pirkenbrunn

Gefallene aus Irnsing

Peller Johann 09.06.40 in Frankreich

Eberl Xaver 10.07.41 im Osten

Seitz Nikolaus 10.08.41 im Osten

Eberl Georg 22.02.42 in Rußland

Riepl  Michael 23.03.42 in Rußland

Gallenberger Sebastian 16.06.42 in Rußland

Beck Franz 10.01.43 in Rußland

Manhard  Eduard 20.03.43 im

Zangl  Franz 07.04.43 in Finnland

Bauer  Georg 16.04.43 in Rußland

Bauer  Lorenz  02.08.43 in Rußland

Mayer  Johann 04.08.43 in Rußland

Lindermayer  Engelbert 12.09.43 in Rußland

Heinrich Josef 17.09.43 in Rußland

Rösch  Andreas 04.11.43 in Rußland

Loidl Ruppert 03.12.43 in Italien

Schierlinger Albert 09.12.43 in Rußland

Eberl  Adam 01.01.44 in Rußland

Pöppel Georg 22.01.44 in Italien

Karl Johann 16.04.44 in Rußland

Schwarzmeier Josef 04.06.44 im Osten

Seitz  Michael 05.06.44 im Westen

Manhard  Josef 27.07.44 im Osten

Däxl Georg 01.08.44 im Osten

Lindermayer  Martin 02.10.44 im Osten

Pesl Johann 08.11.44 in Lothringen

Süßbauer Michael 12.11.44 Rußland

Schmeißer  Anton 25.11.44 Lettland

Süßbauer Georg 15.02.45 in Rußland

Stiglmaier Josef 27.02.45 im Osten

Hofmayer Johann 02.03.45 im Osten

Loidl Ludwig 05.03.45 in Lansbeck

Schachtner Josef 09.04.45 in Lauterberg

Süßbauer Leonhard 25.03.45 in Berlin

Karl Michael 01.05.45 in Berlin

Halbritter Ludwig 01.09.45 in Rußland

 

Vermißte aus Irnsing

Schierlinger Josef Mai 42 im Kubany

Stocker  Jacob Aug. 42 auf der Krim

Zweck Martin Dez. 42 in Stalingrad

Holzapfel Georg Jan. 43 in Stalingrad

Karl Ruppert Jan. 43 in Stalingrad

Manhard Johann Aug. 43 im Osten

Schachtner Michael Jan. 44  in Rußland

Progner Michael April 44 auf der Krim

Progner Johann Juni 44  in der Normandie

Loidl Sebastian Juni 44  in Rußland

Karl Richard Juni 44 in Frankreich

Braun Johann Aug. 44 in Rumänien

Zangl Josef Ende 44 in Ungarn

Heinrich Johann April 45 in Österreich

Schwarzmeier Peter April 45 in Polen

 

Gefallene aus Pirkenbrunn:

Weidinger Andreas 21.07.41 in Rußland

Schmaizl Josef 19.11.41 in Rußland

Bruckmaier Ludwig 29.12.41 in Rußland

Schlittenbauer Ruppert 09.09.42 im Osten

Zimmermann Georg 04.03.43 im Osten

Hecker Johann 13.10.43 in Rußland

Schierlinger Georg 11.07.44 im Westen

Peter Michael 03.0.5.45 in Kurland

Seitz Peter 29.04.45 im Osten

 

Vermißte aus Pirkenbrunn

Zimmermann Adam 20.01.43 in Rußland

Bruckmaier Albert 02.02.43 in Rußland

Bast Hermann 20.06.44 in Rußland

Loidl Sebastian  22.06.44 in Rußland

Frey Martin 19.10.44 im Osten


 

Kriegsende in Irnsing

Daß sich der Krieg in seiner Endphase auch noch vor der eigenen Haustüre abspielte mußten alle älteren Bewohner von Irnsing noch miterleben. Über die letzten Kriegstage berichtete der ehemalige Lehrer Josef Ullmer in dem Baustein des Schulamtes Kelheim "April ´45" folgendes:

Angsterfüllt und gewitterschwül kann man die Stimmung der Bervölkerung in den ersten Monaten des Jahres 1945 nennen. Die Beschlagnahmung der Wohnungen im Januar und das gleich darauf folgende Eintreffen der Flüchtlinge aus Schlesien und anderen Ostgebieten (z.B. Lettland) hatten sehr dazu beigetragen, diese Stimmung hervorzurufen. Man war im Zweifel, ob die Russen oder die Amerikaner den Wettlauf zur Donau und Süddeutschland gewinnen würden. Seit Mitte März war Irnsing von allen möglichen Truppengattungen besetzt: Deutsche Infanterie, ungarische Verbände, die SS-Division Götz von Berlichingen, eine Unteroffiziersschule aus Heidelberg u. a. wechselten ab. Da das Schulhaus für diese Truppen beschlagnahmt war, mußte der Unterricht für die große Schülerzahl (zuletzt 217) in den Schulstadel verlegt werden. Am Sonntag, 22. April 1945, fand in Irnsing eine Großkundgebung der Hitlerjugend statt, zu der die Jugend der ganzen Gegend erscheinen mußte. Zum letztenmale erlebte Irnsing einen so großen Aufmarsch, zum letztenmale prangte das Dorf im Schmuck der roten Hakenkreuzfahnen.

Am 23. April schloß der Schulleiter die Schule. Der 25. April brachte für Neustadt das erste Unheil; schwere Bomben vernichteten viele Wohnhäuser. Wer konnte, floh in die Dörfer der Umgebung. Am Donnerstag, 26. April brachte der Ortsgruppenleiter Depmeier von Neustadt die Meldung, daß die Amerikaner die Altmühl bei Paulushofen überschritten hätten und sich in Anmarsch auf die Donaugegend befänden.

Deutsche Truppen hatten ihre im Gelände zerstreuten Schützenlöcher bezogen.

Der Volkssturm wurde nicht aufgeboten. Etwa um 14.30 Uhr wurden lange Kolonnen motorisierter Fahrzeuge - Panzer, Geschütze usw. - gesichtet, als sie über den Arrestinger Berg herunterkamen. Da viele Leute fürchteten, es könnte bei den Panzersperren - eine zwischen Haus Nummer 50 und 52, die andere beim Sägewerk Schiller - zu schweren Kampfhandlungen kommen, flüchteten viele Leute in den großen Brauhauskeller beim oberen Wirt oder in den nahegelegenen Weinberg. Einzelne Soldaten in den Schützenlöchern leisteten Widerstand und wurden von den Amerikanern getötet.

Sieben Tote wurden in Irnsing beerdigt und später nach Hofkirchen bei Vilshofen überführt. Den größten Widerstand leisteten SS-Truppen im Friedhof, dessen Mauern noch lange Zeit ein großes Loch und sonstige Spuren des Kampfes aufwiesen. Die Panzersperren mußten von der Bevölkerung abgetragen werden. Die deutschen Truppen schwammen über die Donau oder besorgten sich Zivilkleider, um nicht in Gefangenschaft zu kommen. Etwa um 16.30 Uhr flog die Donaubrücke in die Luft. Nach allen Richtungen konnte man die Brände sehen.

Inzwischen besetzten die Amerikaner die Häuser des Dorfes. Wo niemand zu Hause war, wurden Türen und Fenster eingeschlagen. Von den Leuten verlangten die plündernden Soldaten Armbanduhren, Radioapparate, goldene Ringe, Photoapparate, Feldstecher, Schnaps und Wein. Zum Essen verlangten sie nur Eier. Versperrte Schränke, Schreibtische und dgl. wurden erbrochen, nach Wertsachen durchsucht und ausgeplündert. Von allen Häusern wehten weiße Fahnen. Eine Ortskommandantur wurde im Hause Karl Georg (Knöfl), Hs.Nr. 35 eingerichtet. Bekanntmachungen wurden im unteren Schulsaal angebracht. Der bisherige Bürgermeister Peter Gerl wurde von den Amerikanern vorläufig in seinem Amte bestätigt. Der seit Januar 1945 als Gemeindeschreiber tätige, ehemalige Verwaltungsangestellte (der Stadt Breslau) Herbert Wehrsing, seine Ehefrau und seine Tochter hatten sich in ihren Wohnungen erhängt. Während Wehrsing und Ehefrau noch gerettet werden konnten, kam für die Tochter jeder Hilfe zu spät.

Eine lustige Geschichte sorgte dafür, daß trotz der ernsten Ereignisse auch der Humor nicht in Vergessenheit geriet. Der schwachsinnige Arbeiterssohn M. B. arbeitet auf dem Felde, als die Amerikaner kamen. Da fand er eine gut erhaltene SS-Uniform, die ein SS-Mann weggeworfen hatte, um sich in Zivil vom Feinde absetzen zu können. Die Uniform gefiel dem Michel so gut, daß er seine schäbige Arbeitskleidung auszog und die Uniform anzog. So erwischten ihn die Amerikaner, setzten ihn vorne auf ein Auto und führten ihn im Triumph durch das Dorf. Auch das gefiel dem Michel. Die Amerikaner glaubten einen gefährlichen SS-Mann gefangen zu haben. Erst als sie darauf aufmerksam gemacht wurden, daß sie einen schwachsinnigen Menschen vor sich hatten, ließen sie ihn wieder frei. Und da lachten alle, die Irnsinger und die Amerikaner, am meisten aber der Michel.

Die Amerikaner besetzten die Anhöhen neben dem linken Donauufer. Beim unteren Weinberg standen drei motorisierte Geschütze, die ständig die auf dem rechten Ufer liegenden Orte Eining, Sittling, Bad Gögging und Neustadt unter Feuer nahmen.

Am Freitag, 27. April, wurde den Irnsingern befohlen, sich in sichere Unterkünfte zu begeben, weil in dieser Nacht die Stadt Neustadt von 1000 Bombern mit Bomben belegt und dadurch zur Übergabe gezwungen werde. Aber erst am 29. April konnten die Amerikaner die Donau bei Eining überschreiten. Der Brückenkopf Neustadt war dadurch gefallen. Die deutschen Truppen hatten sich in Richtung Landshut zurückgezogen.

Von Pürkwang/Wildenberg aus hatte die deutsche Artillerie die Anmarschwege der Amerikaner unter Feuer genommen. Dabei wurde auch am 27. April das Dorf in Mitleidenschaft gezogen: Die Häuser Leixner Adam und Loidl Sebastian wurden in Brand geschossen, das Haus des Schmiedemeisters Foidl seines Daches beraubt.

Nach dem Donauübergang der Amerikaner kehrte allmählich wieder Ruhe ein. Zum Bürgermeister wurde der Landwirt Eduard Liedl erklärt. Im Mai erwischte die erste Verhaftungswelle den Schulleiter Josef Ullmer, im Juli die zweite Welle den Bürgermeister Gerl und den Blockleiter Gruber. Da sich die Frau des Herrn Gerl aus Gram über die Verhaftung ihres Mannes in der Donau das Leben nahm, wurde Gerl wieder frei gelassen, bald darauf auch Gruber. Die Amerikaner bauten eine Pontonbrücke über die Donau, so daß allmählich der Friede wieder einkehren konnte.
 


 

Die Krieger- und Kameraden in Friedenszeiten

Nach Kreigsende dauerte es einige Jahre bis sich die ehemaligen Krieger- und Veteranen, sowie die Kriegsteilnehmer wieder zusammen fanden.

Auf Anregung zahlreicher Irnsinger beschloß der Gemeinderat 1952 ein Kriegerdenkmal zum Gedenken und zur Erinnerung an alle Gefallenen und Vermißten des 2. Weltkrieges zu errichten. Die Unkosten sollten durch freiwillige Spenden und einen Zuschuß der Gemeinde finanziert werden. Im Jahre 1953 wurde das Kriegerdenkmal durch den Steinmetzbetrieb Lorenz Buchner aus Neustadt gestaltet und aufgestellt.

Erst am 1. Januar 1956 fanden sich die ehemaligen Krieger- und Kameraden wieder zusammen. Sofort traten 74 Irnsinger und 12 Pirkenbrunner dem Verein bei. Zum Vorsitzenden wurde Ludwig Eberl, als Kassier Hubert Seitz gewählt.

Die protekollarischen Aufzeichnungen des Vereins beginnen aber erst mit der Generalversammlung am 18. Dezember 1968 im Gasthaus Pöppel. Der seit Mai 1968 neugewählte Vorstand Johann Zangl begrüßte alle Anwesenden und bedankte sich für die bisher gute Zusammenarbeit. Hierbei wurde unter anderem beschlossen den traditionellen Kriegerjahrtag in gewohnter Weise, mit Kirchenzug, Gedenkgottesdienst, gemeinsames Mittagsmahl im Vereinslokal mit Unterhaltungsmusik und nachmittags einen Rosenkranz, abzuhalten. Der Termin wurde aber vom bisher letzten Sonntag im August auf den letzten Sonntag im September verlegt. Zum Schluß der Versammlung appellierte Johann Zangl an alle jungen Männer die den Wehrdienst bereits abgeleistet haben dem Verein beizutreten, dem sofort 12 Kameraden Folge leisteten.

Ab dem Jahre 1970 wurde auf Wunsch der meisten Mitglieder der Kriegerjahrtag so kurz wie möglich gestaltet. Somit fand nur noch der Kirchenzug mit Gedenkgottesdienst und anschließenden Frühschoppen statt. Das gemeinsame Mittagessen und der Rosenkranz wurden gestrichen.

Im selben Jahr wurde auch ein neues Trauerband für die Fahne angeschafft und beschlossen die Fahne restaurieren zu lassen.

1974 beteiligten sich Irnsinger Krieger- und Kameraden sehr zahlreich an der 100 Jahrfeier des Kriegervereins Hienheim.

Im Jahre 1976 beteiligte sich der Krieger- und Kameradenverein Irnsing erstmals an der Kriegerwallfahrt am Pfingstmontag nach Ratzenhofen mit 15 Mann.

Auch am 50jährigen Gründungsfest des Burschenvereins Irnsing im Jahre 1977 beteiligten sich die Krieger- und Kameraden wieder recht zahlreich.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 4. Dezember 1982 wurden wieder turnusgemäß Neuwahlen durchgeführt. Hierbei wurden folgende Personen gewählt:

 1. Vorsitzender Johann Zangl

 Stellv. Vorsitzender Josef Rummel

 Schriftführer u. Kassier Hubert Seitz

Der langjährige Vorsitzende Johann Zangl wurde 1987 vom Keiskrieger- und Soldatenverein Kelheim mit einer Urkunde für seine 30jährige Tätigkeit als Vorstand geehrt.

Bei den Neuwahlen am 26.11.1988 stellte sich der bisherige Vorsitzende Johann Zangl aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Wahl. Die Wahlen brachten folgendes Ergebnis:

 1. Vorsitzender Hubert Seitz

 Stellv. Vorsitzender Josef Rummel

 Kassier Anton Stiglmaier

 Schriftführer Peter Hofmayer

Johann Zangl, langjähriger Vorsitzender, wurde in der Jahreshauptversammlung am 25. November 1989 mittels einer Urkunde zum Ehrenvorstand ernannt. Auch der langjährige Fahnenträger Josef Gabelsberger wurde mit einem kleinen Präsent geehrt.

Nachdem der bisherige Vorstand und ehemals langjähriger Kassier Hubert Seitz 1993 verstorben ist, wurde bei der Jahreshauptversammlung am 20. November 1993 wieder eine neue Vorstandschaft gewählt:

 1. Vorsitzender Peter Hofmayer

 Stellv. Vorsitzender Josef Rummel

 Schriftführer Walter Gosler

 Kassier Anton Stiglmaier

Der Kassier Anton Stiglmaier legte bereits 1994 sein Amt aus beruflichen Gründen wieder nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Hans Seitz gewählt.

Im Jahre 1995 wurde nach dem Abschluß der Renovierung der Kirche auch das Kriegerdenkmal restauriert und die Grünanlagen neu gestaltet.

Die für 1996 vorgesehene 100 Jahrfeier des Krieger- und Kameradenvereins wurde aufgrund der laufenden Kanal- und Straßenbauarbeiten auf das Jahr 1998 verschoben.


 

 

Historische Böllerkanone

Der Kriegerverein Irnsing-Pirkenbrunn ist auch im Besitz einer Böllerkanone der Firma Wenig aus Pocking, Baujahr 1929. Diese Kanone wurde bis Ende der 50er Jahre bei Beerdigungen, Kirchweih und Kriegerjahrtag recht eifrig benutzt. Kanonier war Alfons Scheuenpflug aus Irnsing.

Ende der 70er Jahre wurde die Kanone in einem fürchterlichen Zustand mit verschiedenen Radgrößen von Johann Zangl und Hubert Seitz im alten Feuerwehrhaus wieder "entdeckt" Dennoch sollte es noch einige Jahre dauern bis sie aus ihrem "Dornröschenschlaf" geweckt wurde. Erst 1990 wurde das alte Stück entrostet, neu lackiert und wieder gangbar gemacht. Um die Kanone auch wieder benützen zu können, legten die Kameraden Lothar Stiglmaier und Eduard Liedl jun. die Böllerschützenprüfung ab.

Bei der Überprüfung der Kanone durch das Beschußamt in München wurden erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt, die vor Inbetriebnahme beseitigt werden mußten. Daraufhin wurde sie bei der Herstellerfirma in Pocking restauriert. Hierbei wurde vor allem das ausgeschlagene Patronenlager und der Schlagbolzen erneuert, sowie neue Pulverkartuschen angeschafft. Seit 1995 ist die Böllerkanone bei Beerdigungen und am Kriegerjahrtag wieder im Einsatz.

 

Vorsitzende des Krieger- und Veteranenvereins

 

1896 bis 1902 Franz Zangl
1902 bis Johann Bauer
  Franz Zangl
1927 bis 1933 Eduard Liedl
1933 bis 1934 Johann Kuffer
1934 bis 1938 Georg Zangl
1938 bis 1939 Johann Kuffer
1940 bis Georg Zangl
         bis 1956 Ludwig Eberl
1957 bis 1988 Johann Zangl
1988 bis 1993 Hubert Seitz
1993 bis heute Peter Hofmayer

 

 

Anton Metzger

Verfasser